Der Kampf gegen den Faschismus ist notwendig.
Eine, zugegeben, sehr
billige Erkenntnis, die den Ingolstädterinnen und Ingolstädtern am
Samstag den 9. April deutlich vor Augen geführt wurde, als die
Neonazi-Horden des III.Wegs durch die Schanz marschieren wollte. Doch so
großartig es war, dass die Schanz den offenen Faschisten ihre Demo
vermiesten, sollten wir nicht vergessen: Faschismus beschränkt sich
nicht auf ein paar ewig-gestrige Polit-Zombies, sondern er findet ganz
real in den Amtsstuben und Parlamenten dieser Republik statt. Wir
erleben eine zunehmende Faschisierung der Politik, sei es, dass ein
Partei mit ausländer- und arbeiterfeindlichen Parolen bis zu 25% der
Stimmen bekommt, sei es, dass die „etablierte“, bürgerliche Politik
selbst, Grund- und Freiheitsrechte abbaut.
Dagegen organisierte die
Kämpfende Jugend Ingolstadt, gemeinsam mit verbündeten Organisationen am
15.04. und 16.04 Widerstand! Dies ist der Bericht unseres ersten,
antifaschistischen Wochenendes.
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Auf der Demo gegen Rassismus und Faschismus |
Das Bayerische Integrationsgesetz, oder: Bye-Bye bürgerliche Demokratie, hallo Rassengesetz!
Am 15.04 starteten wir mit einer Informationsveranstaltung zum
Bayerischen Integrationsgesetz, das die CSU derzeit auf den Weg bringen
will. Kurzfristig hatten wir dazu Genossen von SJD-Die Falken als
Referenten eingeladen, um über dieses Gesetz zu referieren. Wir hatten
dabei mit kaum Interesse gerechnet, einerseits wegen der äußerst
kurzen Bewerbungsfrist, andererseits weil das Thema (so aktuell und
wichtig es ist!) sich zunächst sehr trocken anhört. Doch wie so oft,
überraschte uns die Ingolstädter Jugend! An die 40 jungen Menschen waren
im Ratschhaus, das uns freundlicherweise für diese Veranstaltung
überlassen worden war, versammelt, so dass letztlich die
Sitzgelegenheiten nicht mehr ausreichten und einige stehen mussten.
Dies zeigt, dass das bürgerliche Vorurteil, das Medien und Politik
streuen, wonach Jugendliche nicht an der Politik interessiert seien,
schlicht nicht stimmt. Wir Jugendliche einer Generation der
Vorkriegsjugend, die die Hoffnungslosigkeit des Kapitalismus und die
rassistische und militaristische Hetze in dieser Republik voll
miterleben, sind politisch! Aber es muss die richtige Politik sein, und
nicht die leeren Phrasen der bürgerlichen Polit-Darsteller.
Im
Vortrag stellten die Referenten nicht nur das geplante Gesetzesvorhaben
vor, sondern stellten es auch in einen politischen und historischen
Kontext: Sie zeigten, dass Bayern immer wieder als ein Ausgangspunkt der
Reaktion und des Faschismus gedient hatte, nicht umsonst, konnten sich
die Nazis in den 20er Jahren in Bayern stets sicher fühlen und sich von
hier aus ausbreiten. Nach dem 2.Weltkrieg spielte dabei die CSU,
angeführt vom Übervater Strauß, die Rolle des reaktionärsten Vertreters
des deutschen Kapitals, der es gelang, von Bayern aus, die
bundesdeutsche Politik immer wieder nach rechts zu drängen. Nicht
umsonst hat Bayern etwa ein Versammlungs“recht“, das diesen Namen nicht
verdient, sondern defacto das demokratische Recht auf freie
Meinungsäußerung abschafft.
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Diskussion in Vronis Ratschhaus, das gesteckt voll war |
Das Integrationsgesetz selbst stellt
einen Höhepunkt dieser Entwicklung dar, mehr noch: es führt die
vollkommene Willkürherrschaft ein: Alle Menschen in Bayern werden durch
dieses Gesetz auf die sog. „Leitkultur“ verpflichtet und verpflichtet,
sich loyal zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, und zu Volk
und Nation zu verhalten, andernfalls drohen empfindliche Strafen, die
jeder Polizist nach Gutdünken vergeben kann. In der Praxis heißt dies,
dass Menschen, wenn sie etwa ihre Meinung sagen, zum Beispiel, dass für
den Sozialismus sind, aufgrund dieser fehlende Loyalität zur Leitkultur,
Volk und Nation, zu einem „Wertekurs“ oder 50.000€ Strafe verurteilt
werden können. Ebenso, kann es allen gehen, die beispielsweise eine
andere Hautfarbe haben, oder sich zu einer anderen als der christlichen
Religion bekennen.
Ja mehr noch: Dieses Gesetz erlaubt es, dass
Menschen, die ausländisch aussehen, ohne Grund vor dem Eintritt zu
öffentlichen Gebäuden (selbst das Kino!) kontrolliert und schikaniert
werden dürfen. Und: Das Gesetz teilt Menschen, ungeachtet ihres Passes,
in Voll- Halb und Viertel-Ausländer ein. Selbst wer eine
„nicht-deutschblütige“ Oma hat, kann so zum Integrationskurs verurteilt
werden, da er als nicht vollständig zum deutschen Volke gehörig
angesehen wird.
Ein solches Gesetz ist eines: Rassistisch und Faschistisch, denn es ist ein Angriff auf die Würde und Gleichheit des Menschen!
In der Diskussion war den Anwesenden, darunter selbst viele Jugendliche
mit „Migrationshintergrund“, das pure Entsetzen angesichts dieses
Gesetzes anzumerken. Ganz konkret wurde diskutiert, was man gegen dieses
Gesetz, das als Angriff auf uns alle zu werten ist, tun kann. Viele
zeigten hier Bereitschaft tätig zu werden. Anders gesagt: Diese
Veranstaltung war ein voller Erfolg!
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Theorie und Praxis Hand in Hand: Bei der Zwischenkundgebung der Demo |
Demo gegen Faschismus und Rassismus: Gedenken an Ernst Thälmann
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Die Redner auf der Demo erinnerenten an Ernst Thälmann... |
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Am Tag darauf, dem 16.04, war dazu bereits Gelegenheit. Gemeinsam mit
unseren Genossen der Kommunistischen Partei der Türkei, La Resistance
Ingolstadt und mit der Partei DIE LINKE sowie der linksjugend
Ingolstadt, hatten wir nämlich eine Demonstration unter dem Motto:
„Vorwärts und nicht vergessen“ organisiert. Mit dieser Demonstration
wollten wir ein deutliches Zeichen gegen die Faschisierungstendenzen in
der Politik in Deutschland setzen, und gleichzeitig an Ernst Thälmann,
der an diesem Tag seinen 130.Geburtstag gehabt hätte, und den linken
Widerstand gegen Hitler erinnern. 50 bis 60 Personen hatten sich
dazu eingefunden, was zwar, für Ingolstädter Verhältnisse ein gutes
Ergebnis, allerdings, angesichts des Ernstes der Lage in der BRD, immer
noch zu wenig ist. Hier müssen und werden wir weiterarbeiten, auch wenn
wir auf einem guten Weg sind, denn: diese Demo war gerade kein Umzug
einiger verbalradikaler Universitätsstudenten, wie man es teilweise
leider aus dem Osten der Republik kennt, sondern: Arbeiter, Schüler,
Azubis setzten hier gemeinsam ein Zeichen, dass sie dem Trend nach
rechts in dieser Republik nicht einfach tatenlos zuschauen. „Wer heute
schläft, wacht morgen im Faschismus auf“, diese Losung, die immer wieder
von den Rednern bemüht wurde, war allen die demonstrierten, ein
Kernanliegen. Statt der brutalsten Diktatur des Kapitals, forderten sie,
die Jugendlichen, die Arbeiter, die Azubis, gemeinsam eine Welt des
Friedens und der Solidarität.
Dabei war es schön zu sehen, dass
sich, wie wir das von unseren Demonstrationen bereits gewohnt sind,
Passanten anschlossen, Flyer nahmen und sich interessiert zeigten.
Natürlich gab es seitens der Spießbürger Ingolstadt auch die üblichen,
negativen Reaktionen, doch gilt hier die alte Regel, dass es gut, dass
wir uns deutlich von unserem Feind unterscheiden. Als ein Querulant uns
alle den Tod in der Gaskammer wünschte (ein Zeichen der Brutalisierung
des (Klein)Bürgertums hierzulande) wurde dieser kurzerhand angezeigt.
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... und zeigten aktuelle Tendenzen in Richtung eines faschistischen und rassistischen Staatsumbau auf. |
Während der Demonstration und den einzelnen Reden, wurde immer wieder
ein Vergleich der heutigen Situation mit der Zeit vor 1933 angestellt
und dabei auch der Rolle des linken, antifaschistischen Widerstands und
speziell von Ernst Thälmann gedacht. Die Bedeutung des linken
Widerstands gegen Hitler als Inspiration und Bezugspunkt für unsere
Arbeit heutzutage, wurde dabei hervorgehoben. Insbesondere auch im
Hinblick darauf, dass in diesem Staat alles getan wird, den Widerstand
der Arbeiter, der Gewerkschafter, Sozialisten, Anarchisten und
Kommunisten gegen Hitler und den Faschismus, vergessen zu machen.
Gleichzeitig warnten die Redner, auch in Bezug auf das
Integrationsgesetz, vor der Gefahr eines neuen Faschismus, der sich in
Europa breit macht, wobei explizit auch auf die Situation in Frankreich,
Polen, Ungarn und der Türkei eingegangen wurde. Vergleichbare Tendenzen
sehen wir hier in Deutschland auch, so der Tenor. Daher war es nur
konsequent, dass die Demonstration explizit internationalistisch
ausgerichtet war, immer wieder die internationale Solidarität hochleben
ließ und mit den Genossen der KP Türkei auf türkisch und deutsch
skandierten:
Fascisme karsi-omuz omuza : Schulter an Schulter gegen den
Faschismus!
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Unser Wochenende im Kampf gegen Rassismus und Faschismus war also insgesamt ein großer Erfolg! |